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Archiv | Borreliose

Borreliose 2014

von Anton Kellner

Einleitung
Borreliose durch Zeckenbisse Am 4. und 5. April trafen sich deutsche und internationale Borrelioseexperten, Betroffene und Interessierte in Erfurt zur
10. Jahrestagung der Deutschen Borreliose-Gesellschaft
.
Der Tagungsort war gut gewählt: das Kongresshotel war angemessen und die Stadt alleine ist eine Reise wert.
Der Kongress war auf 2 Tage verkürzt worden, was dem Programm nicht geschadet hat.
Erstmalig gab es 2 Parallelveranstaltungen:
die eine mit einem wissenschaftlich ausgerichteten Programm, die andere mit praxisbezogenen Beiträgen zu Diagnostik und Therapie.

Am ersten Tag war der Vortrag von Dr. Eva Sapi aus New Haven (USA) ein eindeutiger Höhepunkt.
Sie forscht über den so genannten Biofilm, der von Borrelien gebildet werden kann. Biofilmbildung ist bekannt von der Zahnplaque (Zahnbelag), von der chronischen Prostatitis und der Staphylokokkenosteomyelitis (Knochenmarksentzündung).
Die Bakterien organisieren sich in einem Verbund, der wie eine Stadt aufgebaut ist. Die Borrelien bilden eine Infrastruktur, haben Arbeitsteilung, kommunizieren miteinander, sorgen für Energiebevorratung, praktizieren genetischen Transfer und wandern aus, wenn die Population zu groß wird, um weiterhin ausreichend für Nahrung sorgen zu können.
Der Unterschied zwischen einer Bakterienkolonie und einem Biofilm bestehe darin, dass die Bakterien beim Biofilm in eine Matrix (Grundsubstanz) eingebettet sind, dass sie sich vom äußeren Erscheinungsbild rearrangieren und miteinander kommunizieren.
Der Biofilm weist 3 Entwicklungsstadien auf:
Anhaftung/Zusammenballung - Wachstum - Abspaltung/Wanderung.
Im Biofilm finden sich runde /zystische Formen im Zentrum, vitale Borrelien befinden sich in der Randzone.
Die Matrix besteht aus Eiweißen, vorrangig aus Calcium-Alginat. Es befindet sich auch extrazelluläre DNA (Erbmaterial) in der Matrix.
Bei der Behandlung muss man die zystischen Formen berücksichtigen, Doxycyclin in Kombination mit Metronidazol bzw. Tinidazol sind effektiv.
Durch eine 3-tägige Kombinationstherapie wird der Biofilm im Reagenzglas von außen her nach und nach aufgeweicht.
Interessant ist die Frage, wie man den Biofilm zusätzlich angehen kann.
Sapi hat Versuche mit den verschiedensten Wirkstoffen durchgeführt: EDTA, Enzyme, Zucker, Sorbit, DNAse waren unwirksam.
Interessanterweise hat Stevia, ein Süßungsmittel, in hoher Konzentration eine starke Wirkung.
So interessant die Ausführungen von Sapi auch waren, einschränkend muss man sagen, dass es sich um reine in vitro - (Reagenzglas-) Untersuchungen mit Bakterienkulturen handelt. Die Kulturen wurden mit verschiedenen, aufwändigen mikroskopischen Methoden beobachtet.
Zur Frage, ob es Borrelienbiofilm beim Menschen gibt, existieren noch keine sauberen Daten.
Ein erster Nachweis sei in der Haut geführt worden, bei einem verstorbenen Patienten in den USA habe man Biofilm in Leber, Herz und Gehirn gefunden.

Von der Hartnäckigkeit mancher Patientenverläufe her betrachtet, halte ich das Biofilmmodell allerdings für absolut plausibel.
Bei der Biofilmbildung beim Menschen sind meiner Meinung nach vor allem Gewebsfaktoren und -belastungen von Bedeutung: Schwermetalle und andere Toxine, Minderdurchblutung, Entgiftungsstörungen durch Mitochondrienfehlfunktion usw.

John Aucott (USA) ging im nächsten Vortrag auf Fragen des sogenannten Post-Lyme-Syndroms (Fortbestehen von Beschwerden nach Behandlung einer Borreliose ) ein.

Erwartungsgemäß bestätigte sich meine Überzeugung, dass eine fortbestehende Erregerpräsenz (in Kombination mit anderen Krankheitsfaktoren) meistens für die chronischen Beschwerden verantwortlich ist.
Bei unbehandelter akuter Infektion mit Wanderröte haben 60 - 70 % der Betroffenen eine Bakteriämie, das heißt die Erreger verbreiten sich über die Blutbahn im ganzen Körper. Auch ein atypisch disseminiertes Erythema chronicum migrans (ECM) mit Ausbreitung über den ganzen Körper kann vorkommen.
Bei 15 % der Unbehandelten kommt es zu einer frühen Ausbreitung der Erkrankung mit Befall von Herz oder Nervensystem. Im weiteren Verlauf entwickeln 60 % der Unbehandelten muskuloskelettale Erkrankungen, ein kleinerer Teil neurologische Probleme.
Dies unterstreicht nochmals eindrucksvoll, wie wichtig eine möglichst frühzeitige Diagnose und Therapie ist!!
Gute Heilungschancen bestehen laut Aucott statistisch bei später Lyme-Arthritis (Gelenkentzündung) mit 94%.
Bei dem sogenannten PLDS (Post-Lyme-disease-Syndrom,) liege in 10 % der Fälle eine aktive Infektion vor, bei 15 % ein PLDS, bei 54% sei die Ursache ungeklärt. Bei den ungeklärten Fällen könnte man meiner Meinung nach wahrscheinlich in einem Teil der Fälle ebenfalls eine aktive Borreliose nachweisen, wenn man den LTT durchführen würde. Dieser wird allerdings in den USA nicht angeboten.
Aucott stellte ein Forschungsprojekt vor, bei dem mit gentechnischen Untersuchungen ein Profil der am Post-Lyme-Syndrom beteiligten Zytokine und Chemokine (Entzündungseiweiße) erstellt wird. Typischerweise rekrutieren die Borrelien Lymphozyten bei der Immunabwehr, Granulozyten (Eitererreger) sind nicht beteiligt.

Interessant war auch der nächste Vortrag vom Neurologen Tobias Back aus Leipzig, der von 11 Fällen von Schlaganfall berichtete, die durch eine Borrelioseinfektion ausgelöst wurden. Die Fälle verliefen teilweise tödlich.
Als Ursache sind Gefäßverschlüsse durch Vaskulitis (Gefäßentzündung) anzusehen. Verdächtig seien Schlaganfälle der hinteren Hirnregionen, wiederholte Ereignisse und junges Lebensalter. Da es eine hohe Dunkelziffer gebe, gilt auch hier:
dran denken!

Der nächste Tag wurde mit einem Festakt eröffnet. Nach einem schönen Musikbeitrag wurde der diesjährige Förderpreis an Torsten Heinz von der Neurologischen Klinik Kaiserslautern verliehen.
Er berichtete anschließend in seinem spannenden Vortrag von einem aufwändigen, methodisch ausgefeilten und sauber durchgeführten Mäuseversuch, bei dem das motorische Verhalten und die Lernfähigkeit von Tieren untersucht wurden, deren Gehirn mit dem Borrelien-Antigen OSPC infiziert wurde im Vergleich zu einer nicht infizierten Kontrollgruppe.
Im Verhalten fanden sich keine Unterschiede; die infizierten Tiere wiesen jedoch (axonale) Nervenschädigungen und Mikroglia-(neuronale Immunzellen)-Aktivierung auf.

Der Tiermediziner Martin Pfeffer aus Leipzig berichtete anschließend über 2 "neue" Erreger, die bei zeckenübertragenen Erkrankungen relevant sind:
Rickettsien und Candidatus Neoehrlichia mikurensis.
Die Rickettsien teilt man in die Typhus- und Fleckfiebergruppe ein. Sie können neben diesen Erkrankungen auch Herzentzündung und typische netzförmige Hautveränderungen auslösen.
Interessant war, dass Pfeffer mit einer Doktorandin an der Uni Saarbrücken zusammengearbeitet hat, die im Saarland Zecken gesammelt und untersucht hat. Sie fand hier Auwaldzecken, die sonst eher in Brandenburg vorkommen. Diese waren in 1 von 7 Fällen Träger von Rickettsien.
Leider ist dieses Forschungsprojekt mittlerweile abgeschlossen. Die Möglichkeit einer Rickettsienkoinfektion gilt es, verstärkt zu beachten.
Bei den Neoehrlichien gibt es noch keine serologische Testmöglichkeit.
DNA-Untersuchungen können nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Neoehrlichien sind in 6 % der Zecken in Süddeutschland gefunden und in Nagetieren nachgewiesen worden.

Der Dermatologe Dr. Klehr aus München berichtete von einem interessanten Fall eines Kindes mit akuter lymphatischer Leukämie, bei dem er eine Borreliose diagnostiziert hat und das durch antibiotische Therapie von der "bösartigen Erkrankung" geheilt wurde.
Er beschrieb, dass Borrelien auch rote Blutzellen (Erythrozyten) befallen können und zu einer hämolytischen Anämie führen können - eine Beobachtung, die für mich neu war.
Er postulierte, man müsse eine antibiotische Therapie über eine Erythrozytengeneration (120 Tage) hinweg durchführen, um Rückfälle zu vermeiden.

Dan Sindelar (USA) berichtete schließlich über den Zusammenhang zwischen oralem Biofilm und systemischer Entzündung.
Der Keim Porphyromonas gingivalis (PG) macht weiße Blutzellen (Neutrophile) zu Bakterienträgern und verursacht an Blutgefäßen die Bildung von so genannten Schaumzellen, die die Initialzündung von Gefäßverengungen (arteriosklerotischen Plaques) sind. Diese Plaques können abreißen und an anderen Stellen einen Gefäßverschluss auslösen.
Das Lipoprotein PLA2 zeigt im Blut das Risiko für eine Plaqueruptur an.
Die sogenannten T Reg-Zellen (spezielle Lymphozyten) hindern Bakterien am Einwandern in Plaques und verringern das Arteroskleroserisiko.
PG reduziert die Zahl der T Reg-Zellen.
Ein anderer gefährlicher Mundkeim ist Treponema denticola, der septische Abszesse an Milz, Niere und Herz auslösen kann.
Laut Sindelar liegen beim akuten Herzinfarkt die nachweisbaren Gefäßverengungen meist unter 70% Einengung.
Dies spricht dafür, dass die Infarkte durch abgelöste Plaqueteile verursacht werden. Diese sind wiederum meist entzündlicher Natur.
Die Entzündung im Mund sei die Hauptursache für eine systemische Entzündung des gesamten Organismus.
Auch gibt es Zusammenhänge zwischen Oralbakterien wie Fusobacterium nucleatum und Unfruchtbarkeit.
Treponema denticola wurde in einer Studie als Hauptkeim in infizierten, aber auch in "aseptisch gelockerten" Knieprothesen nachgewiesen, die ausgetauscht werden mussten. Dieser Keim wurde jedoch nicht bei infizierten Hüftprothesen gefunden.
Eine ursächliche Rolle der Oralbakterien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen wird ebenso diskutiert wie eine Auslösung von "aktivierter Arthrose", die dann zum Gelenkersatz führt!
Auch Darmbakterien wie Enterococcus faecalis fanden sich in infizierten Knieprothesen.
Darmbakterien, die bei leckem Darm ("leaky gut") in den Körper gelangen, wurden in anderen Studien übrigens auch im Herz und in der Lunge gefunden.
Ein weiterer Zusammenhang ist aufgrund aktueller Studiendaten anzunehmen zwischen Oralbakterien und Alzheimer-Erkrankung.

Dies zeigt, dass die Bewohner unserer Schleimhäute uns krank machen können, wenn die Schleimhäute oder das Immunsystem schwächeln.

Der Dermatologe Dr. Neubert aus München erwähnte bei seinem Vortrag über Hautmanifestationen bei Borreliose, dass die Wanderröte (ECM) ohne Therapie jahrelang bestehen bleiben kann.
Zur Frage, ob es eine Borrelioseinfektion ohne Wanderröte geben kann, meinte er, dass es sich in diesen Fällen eher um eine nicht bemerkte Wanderröte handeln kann (z. B. in der Poritze..).

Der Experte Dr. Kleemann aus Pforzheim erwähnte bei seinem Vortrag über die Symptome der Borreliose, dass erhöhter Blutdruck bei Borreliose durch eine Gefäßentzündung (Vaskulitis) mit Erhöhung des Gefäßwiderstandes entstehen kann.
Der Zusammenhang zwischen Borreliose und Autoimmunthyreoiditis sowie erhöhten Leberwerten ist gegeben und die Krankheitsaktivität dieser Störungen geht durch antibiotische Therapie zurück. Die Ursache des Zusammenhangs ist aber noch ungeklärt.
Bei Akrodermatitis atrophicans Herxheimer (ACA) kommen dicke Hornhautplatten der Fersen mit Rhagadenbildung vor.

Zusammenfassend lag die Qualität der Vorträge bei der diesjährigen Tagung deutlich über dem gewohnten Niveau.

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