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Thema des Monats | EHEC
Einige Gedanken zur EHEC-Problematik
(EHEC=enterohämorrhagische Escherichia coli)
Dies ist kein Text im Sinne der evidenzbasierten Medizin, sondern der
praxisbasierten Evidenz, das heißt die Erkenntnisse beruhen auf
Untersuchungen an Patienten meiner Praxis.
Die Angaben zu Laborwerten basieren auf der statistischen Auswertung
von Befunden, die chronologisch seit 2009 an rund 500 PatientInnen erhoben
wurden.
Alle Ausführungen spiegeln meine persönliche Erfahrung und
Meinung wider und können nicht verallgemeinert werden.
1. Das Immunsystem vieler Menschen ist geschwächt
Der Dünndarm ist das größte Immunorgan des Menschen
40 % unserer PatientInnen weisen einen Mangel an sekretorischem Immunglobulin
A (sIgA) auf, einem Immuneiweiss, das in der Dünndarmschleimhaut
gebildet wird, bei weiteren 20% ist das sIgA erhöht als Zeichen
einer gesteigerten Immunaktivität an der Darmschleimhaut
55 % der untersuchten PatientInnen haben eine gesteigerte Durchlässigkeit
der (Dünn-) Darmschleimhaut (intestinale Barrierestörung,
"leaky gut"), erkennbar an einer erhöhten Konzentration
von alpha 1 Antitrypsin (A1AT) im Stuhl. A1AT ist ein Eiweiss, das normalerweise
nur im Blut vorkommt. Wenn es verstärkt im Stuhl auftaucht, zeigt
es eine abnorme Durchlässigkeit der Schleimhaut an. Diese ist nur
in den seltensten Fällen Ausdruck einer akuten oder chronischen
entzündlichen Darmerkrankung. Meist ist sie Folge einer Schleimhautschädigung,
z. B. durch Antibiotika, entzündungshemmende Mittel (wie Diclofenac,
Ibuprofen, Cortison usw.) oder Chemotherapeutika.
Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel, meist in Form verzögerter
Reaktionen (Typ 3), lösen eine chronische Mikroentzündung
der Schleimhaut und abnorme Durchlässigkeit aus. Histaminfreisetzung
macht die Schleimhaut zusätzlich porös. Ist die Darmschleimhaut
erst einmal durchlässig geworden, reagiert das Immunsystem des
Dünndarms wiederum verstärkt auf Nahrungsmittel, der Prozess
schreitet fort. Dass diese Vorgänge dem größten Immunorgan
des Organismus Energie entziehen, liegt auf der Hand.
2. Viele Patienten haben Nährstoffdefizite
Wichtige Nährstoffe für die Immunabwehr wie Zink (bei
25% der Untersuchten), Selen (bei 50%), Magnesium (bei 70%), B-Vitamine
(bei 40%) und vor allem Vitamin D (bei 95%) sind vermindert. Dies kann
durch eine verschlechterte Aufnahme infolge eines geschädigten
Darms bedingt sein. Andere Ursachen sind unzureichender Nährstoffgehalt
der Nahrungsmittel (Lagerung, Zubereitung) sowie generell die Qualität
des Essens.
Diese Defizite sind bei Adipositas besonders deutlich ausgeprägt
(Mangel im Überfluss).
3. Ungewohnte moderne Umweltfaktoren wirken auf
den Menschen ein
Lebensmittelzusatzstoffe wie Aromen, Süßstoffe, versteckte
Konzentrate mit hochallergener Potenz in Lebensmitteln stellen für
den Darm vieler Menschen eventuell eine Belastung dar.
Belastungen aus der Umwelt kommen hinzu: Genussgifte wie Alkohol und
Tabakrauch, Elektrosmog, Funkstrahlung (Mobiltelefone), Schadstoffe
wie Phthalate (Weichmacher), PCB, Schimmelpilz usw. können gerade
bei vorgeschädigten Menschen eine zusätzliche Schwächung
des Immunsystems auslösen.
Die breite Anwendung von Magensäureblockern (PPI) wie Omeprazol,
die die Magensäureproduktion stilllegen, führt zu einer Aufhebung
der keimabtötenden Wirkung der Magensäure. Krankmachende Bazillen
können den Magen passieren und in den Organismus gelangen.
4. Chronische Erkrankungen liegen vor
Immer mehr Menschen leiden unter chronischen Erkrankungen, die teilweise
unzureichend aufgeklärt sind. Nach meiner Beobachtung liegen nicht
selten unerkannte chronische Infektionen wie Borreliose oder Multisystemerkrankungen
vor, die zu einem permanent erhöhten Entzündungsniveau im
Organismus beitragen. Auch die Adipositas, speziell die Vermehrung von
Bauchfett, führt zu einer verstärkten Freisetzung von Entzündungsstoffen
und einer chronischen stummen Entzündung, die das Immunsystem belastet.
5. Die Hygiene ist verbesserungsfähig
Man kann auch heute noch in der Medizin viele Nachlässigkeiten,
was Hygiene angeht, beobachten. Ein Beispiel ist die MRSA-Problematik.
Vorbeugung und Früherkennung finden wegen Mangel an Geld und Personal
immer noch nicht flächendeckend statt, sind auf Modellprojekte
begrenzt. Stattdessen werden Patienten aufwändig isoliert.
Offenbar ist auch die Hygiene im Lebensmittelbereich verbesserungsfähig,
denn jedes Jahr kommt es in Deutschland zu (geschätzten) 2 Millionen
Lebensmittel"vergiftungen", die meist Infektionen sind.
Die Sicherstellung der Lebensmittelhygiene bei Nahrungsmitteln, die
ungekocht verzehrt werden, wird zu einer großen Herausforderung.
Wenn wir in Zukunft nur noch gekochte Lebensmittel mit gutem Gewissen
verzehren können, was wird dann aus unserer Vitaminversorgung?
Die Hygieneproblematik ist aber nicht nur von Behörden oder Politikern
zu lösen. Auch jeder einzelne Bürger muss klären, ob
er etwas verbessern kann (alltägliches Beispiel: Händewaschen
nach dem Besuch der Toilette).
6. Die Mutation von Bakterien zu Superorganismen wird
vom Menschen verursacht
An der genetischen Veränderung von Mikroorganismen hat der
Mensch den größten Anteil. Antibiotika werden in der Viehzucht
eingesetzt und führen bei der Bakterienflora der Tiere zu Resistenzen
und Mutationen, die in der Nahrungskette weitertransportiert werden.
Auch beim Menschen werden Antibiotika weiterhin ungezielt und unkritisch
eingesetzt. Dadurch werden Darmschleimhaut, natürliche Bakterienflora
und Immunsystem geschwächt. Eine begleitende Schutzbehandlung mit
Probiotika ist die Ausnahme. Dass sich auf vorgeschädigter Darmschleimhaut
dann aggressive Bakterien besonders gut anhaften und vermehren können,
liegt auf der Hand.
Dass Bakterien wie EHEC den Erkrankten durch Freisetzung von Endotoxinen
schwächen oder töten können und diese Gefahr noch verstärkt
wird, wenn man Antibiotika einsetzt, belegt nur die Überlegenheit
der evolutionsbiologischen Anpassung von Mikroorganismen über die
kurzsichtigen Lösungswege des Menschen.
7. Die Herkunft der Lebensmittel ist schwer durchschaubar
Durch die Globalisierung wird die Herkunft der Lebensmittel immer
weniger überschaubar. So kommt ein Großteil der Bio-Lebensmittel
schon aus Indien und China.
Das Prinzip der westlichen Gesellschaft, dass Nahrung im Überfluss
vorhanden sein muss, die zudem noch spottbillig ist und deren Überschuss
einfach entsorgt wird, führt zu einem Druck auf die Nahrungsmittelhersteller,
bei dem Sorgfalt und Qualität auf der Strecke bleiben müssen.
Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist die BSE-Epidemie, bei der man
aus Gründen der Ertragssteigerung durch Verfütterung von Tiermehl
die Kühe von Pflanzenfressern zu Aasfressern gemacht hat.
Zusammenfassend ist EHEC eine weitere Folgeerscheinung einer
bedenklichen Entwicklung des Gesundheitszustandes vieler Menschen, die
vorrangig durch die Bedingungen der modernen Überflussernährung
und den unkritischen Einsatz potenter medizinischer Therapien ausgelöst
und unterhalten wird. Die Vorstellung, dass es einfache, schnelle Lösungen
für komplexe medizinische Probleme gibt, die aufgrund evolutionsbiologischer
Anpassungsmechanismen bei Einzellern entstanden sind, ist abwegig.
Welche Möglichkeiten der Vorbeugung gibt es?
- Stärkung des Immunsystems
a) Darmsanierung mit Probiotika und L Glutamin
b) Deckung von Nährstoffdefiziten
c) Ernährungsumstellung auf hochwertiges Essen und Trinken unter
Vermeidung von Nahrungsunverträglichkeiten, die das Immunsystem
belasten
d) Einnahme pflanzlicher Schutzstoffe (Polyphenole, Flavonoide)
e) Individuell angemessener Umgang mit potenziellen Schädigungsfaktoren
(z. B. Mobilfunk),
Genussgiften (Alkohol, Rauchen) und Stress
- Einkauf beim Lebensmittelhändler des Vertrauens mit nachvollziehbaren
Bezugsquellen
(Geiz ist beim Essen eindeutig nicht geil)
- Verstärkte Hygiene beim Kontakt mit Nahrungsmitteln
- Langfristiger Abbau von sonstigen Lebens- und Gesundheitsbelastungen
mit ganzheitlicher Vorgehensweise
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