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Multisystemerkrankungen (MSE) - eine diagnostische und therapeutische Herausforderung

Einführung
In unserer Praxis werden wir seit langem von PatientInnen konsultiert, die an einer Vielzahl von Symptomen leiden. Diese können nicht ohne weiteres unter Diagnosen von Erkrankungen eingeordnet werden, die nach gängigen Leitlinien zu behandeln sind. Die Betroffenen haben häufig eine Odyssee mit multiplen Arztbesuchen, verschiedensten Diagnosen und letztendlich subjektiv unbefriedigenden Therapieversuchen hinter sich.

Aus unserer Sicht ist es zielführend, den Horizont zu weiten, auf verschiedenen Ebenen nach Ursachen zu suchen und je nach Gewichtung zu behandeln. Dieses multifaktorielle Krankheitsmodell erfordert allerdings auch von Seiten der PatientInnen Motivation, Eigeninitiative, Durchhaltevermögen und Zuversicht. Wunderlösungen sind selten.

Bei den Multisystemerkrankungen sind, wie der Begriff schon impliziert, mehrere Organsysteme betroffen.

Diese sind:

  1. Das Immunsystem
  2. Das Verdauungssystem
  3. Das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem
  4. Das zentrale und periphere Nervensystem
  5. Das Hormon- und Stoffwechselsystem
  6. Das muskuloskelettale System (Stütz-, Haltungs- und Bewegungssystem)
  7. Das urogenitale System

Hinzu kommen das blutbildende System sowie die Haut mit ihren Anhangsgebilden

Die Psyche rezipiert und modifiziert die Einflüsse aller oben genannten Organsysteme und bewertet die Lebensqualität.

Ursachen
In den meisten Fällen sind mehrere oder viele Auslöser zu finden.
Sind diese Auslöser noch aktiv, müssen sie ursächlich mitbehandelt werden. Sind sie nicht mehr aktiv, muss man klären, ob Residuen oder Strukturschäden übriggeblieben sind, die mit dem Ziel der Regeneration ebenfalls therapiert werden müssen.
Ein Beispiel: die chronische Borreliose ist in vielen Fällen eine Multisystemerkrankung. Regelhaft finden wir zusätzlich zu der aktiven Infektion Erkrankungen wie leaky gut, Metallbelastung, Nährstoffdefizite, Nahrungsunverträglichkeiten, Histaminprobleme. Eine alleinige Behandlung mit Antibiotika ohne Berücksichtigung dieser Komorbiditäten ist nach unserer Erfahrung und Überzeugung kontraproduktiv.

Im Laufe des Lebens kumulieren die Auslöser. Anfänglich werden einzelne Belastungen noch überwunden oder kompensiert. Je mehr zusammenkommt, beziehungsweise je mehr die Kompensationsmechanismen überfordert werden, umso mehr nimmt die Symptombelastung zu. Irgendwann läuft der Topf über und der Zusammenbruch (z.B. Burnout, systemische Erkrankung) ist da. Dann gibt es keine einfachen und schnellen Lösungen mehr.

Gemeinsam ist den Störungen der genannten Systeme eine chronische mitochondriale Dysfunktion, die Auslöser, Folgeerscheinung oder Trigger des um sich greifenden Krankheitsgeschehens ist.

Störungen der mitochondrialen Funktion äußern sich in Problemen der Energiegewinnung, der Regulation der Organfunktionen, der Differenzierung, der Fortpflanzung, der Entgiftung und des programmierten Zelltodes (Apoptose und Autophagie).

Ein weiteres gemeinsames Element bei den MSE ist eine regelmäßig nachweisbare systemische Entzündung (Inflammation) und eine Beeinträchtigung der Regulation des Immunsystems.

Die Symptome der MSE sind vielgestaltig. Sie werden unter anderem mit den Begriffen chronisches Fatiguesyndrom (CFS), myalgische Enzephalomyelitis (ME) und Fibromyalgiesyndrom belegt.
Da sich die Störungen meist über einen längeren Zeitraum kumulativ aufbauen, ist eine detaillierte Anamnese wichtig. Hier müssen die PatientInnen durch eine genaue Beschreibung von Lebensereignissen, Erkrankungen, Therapien usw. in Bezug auf den Beginn von Symptomen ihren Beitrag leisten. Die objektive Wertung ist dann Aufgabe der Spezialistin/des Spezialisten.

Eine Erkenntnis unserer langjährigen Beschäftigung mit diesen Krankheitsbildern ist, dass die Erkrankungen unbehandelt zum Fortschreiten und weiterer Chronifizierung führen.
Im Folgenden beschreiben wir Einflüsse auf die verschiedenen Organsysteme, die zu Störungen führen können:

1. Immunsystem

Allgemeines
Das Immunsystem ist im Organismus angelegt, um in Erwartung von Verletzungen oder Attacken körperfremder Stoffe oder Organismen, korrespondierende Programme für Schutz, Abwehr und Reparatur in Gang zu setzen (Maitland, 2018).
Es kann es zu einer Schwäche oder einer Fehlregulation mit den Folgen Autoimmunität/Allergie bzw. Toleranzverlust/Überreaktion (z. B. Zytokinsturm) kommen.
Eine Schwächung des Immunsystems kann auch dazu führen, dass "Bewohner" unseres Organismus wie Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten nicht mehr in Schach gehalten und kontrolliert werden, sondern symptomatisch werden. Dies zeigt sich am Beispiel des Herpes simplex -Virus. Die meisten Menschen tragen den Virus in sich. Bei manchen kommt es alle paar Wochen zu einem Ausbruch, bei anderen alle 5 Jahre. Auch die Tatsache, dass sich Borrelien dauerhaft im Organismus aufhalten, muss nicht zwangsläufig ein Problem sein, wenn das Immunsystem die Erreger effektiv unterdrücken oder bekämpfen kann.
Symptome von Immunstörungen sind Infektanfälligkeit, Müdigkeit, Zeichen von Entzündung, kognitive Beeinträchtigung (sog. Brain Fog), sowie der breite Symptomkomplex der Autoimmunerkrankungen je nach Organbeteiligung.
Da das Immunsystem zu 70% im Darm lokalisiert ist, muss dieser vorrangig untersucht werden. Auch das Mastzellsystem, das vorrangig an den Eintrittspforten für Umweltstoffe auf den Schleimhäuten aktiv ist, spielt eine große Rolle (lesen Sie hierzu bitte die Artikel über Mastzellaktivierung).

Einfluss Faktoren

  • Angeborene Defekte der humoralen oder zellulären Abwehr
  • Leaky gut
  • Dysbiose /Störungen des Mikrobioms
  • Akute Infektionen
  • Chronische Infektionen (Persistenz von Erregern wie Borrelien, Epstein-Barr-Virus, Zoster-Virus, Herpesvirus, Chlamydien, Helicobacter pylori etc. wird durch Immunschwäche oder durch spezielle Persistenz- oder Stealth - Mechanismen gefördert (L-Formen und Biofilm bei Borreliose, Neutralisierung von Magensäure durch Helicobacter). Auch Konfrontation mit ungewohnten/schwerer erkennbaren Erregern (Klimawandel, Tourismus) oder neuen/mutierten Viren (COVID 19) kann das Immunsystem überfordern.
  • Chronische Entzündungsherde (Zähne, Prostata)
  • Oxidativer und nitrosativer Zellstress
  • Toxische Umwelteinflüsse (Metalle, Pestizide, Weichmacher, Strahlung, Rauchen, Alkohol, Drogen)
  • Individuell toxische oder unverträgliche Medikamente
  • Genetisch bedingte Störungen der Entgiftung (Phase 1 und 2)
  • Nährstoffdefizite
  • Individuell unverträgliche oder toxische Ernährung
  • Untergewicht (Leptinmangel)
  • Adipositas (silente Inflammation)
  • Psychosozialer Stress (Trauma, Depression, Isolation, Schlafmangel, Schlafapnoe)
  • Bewegungsmangel /Sauerstoffmangel

Die genannten Störungs- und Schädigungsfaktoren sind auch bei den im Folgenden beschriebenen Organsystemen in gleicher Weise von Bedeutung.

2. Das Verdauungssystem

Allgemeines
Symptome sind Schmerzen, Krämpfe, Verstopfung, Durchfall, Entzündungsbeschwerden, Zeichen der Toxinbelastung in Regionen außerhalb des Verdauungstraktes (z.B. Gelenke, Kreislauf, Nervensystem), Gewichtszunahme u.v.m. (Für detaillierte Informationen lesen Sie bitte den Artikel zu Leaky gut).
Störungen sind hier bei den einzelnen Stationen des Verdauungsvorganges möglich. Betroffen sein können:

  • Die Vorverdauung (abhängig vom Zahnstatus, Kauvorgang, Speichelproduktion)
  • Die Verdauung (abhängig von Produktion von Verdauungssäften des Magens (Magensäure, Pepsin), Pankreasenzymen, Gallensäuren, enteralen Hormonen)
  • Beweglichkeit / Peristaltik (Magen, Darm)
  • Transport und Resorption von Nahrungsbestandteilen
  • Umwandlung und Bildung von Vorstufen / Metaboliten/ Botenstoffen durch das Mikrobiom
  • Bildung und Aufnahme unerwünschter Stoffe (Histamin, Toxine, Metalle, Lipopolysaccharide (LPS))
  • Entgiftung (durch unregelmäßige und unvollständige Stuhlentleerung)
  • Rolle der Leber als Entgiftungs- und Entzündungsorgan
  • Darm-Hirn-Achse
  • Auslösung von unerwünschten Reaktionen auf Nahrungsbestandteile
  • Informationsvermittlung an andere Organsysteme (Exosomen)

Beim Verdauungssystem finden sich fast regelhaft 2 zentrale Störungen:
Eine Schädigung der Darmschleimhautbarriere, die zum Bild des durchlässigen Darms ("leaky gut") führt (das Spektrum reicht hier vom "Reizdarm" bis zur chronisch-entzündlichen Darmerkrankung)
Eine krankhafte Störung des Mikrobioms (Dysbiose)
Eine große Bedeutung hat auch die bakterielle Überwucherung des Dünndarms (small intestinal bacterial overgrowth – SIBO)
Besonders häufige Auslöser für diese Störungen sind Antibiotika, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, psychosozialer Stress und Schadstoffe.

3. Herz-Kreislauf- und Atmungssystem

Allgemeines
Die Versorgung aller Zellen über das Blut mit Nährstoffen und Sauerstoff ist Voraussetzung für die mitochondriale Funktion. Sie wird von Herz, Lunge und Blutgefäßen bewerkstelligt. Arteriosklerose ist eine Degeneration der Gefäßwände mit der Folge einer Gefäßverengung und verschlechterten Durchblutung.
Folgen der Arteriosklerose sind immer noch die häufigste Todesursache der westlichen Welt. Die etablierten Hauptursachen für arterielle Gefäßschädigung sind Bluthochdruck, Insulinresistenz / Diabetes mellitus, freie Radikale aus dem Fettstoffwechsel (oxidiertes LDL-Cholesterin, Lipoprotein (a)), chronische Entzündung, krankhafte Aktivierung der Blutgerinnung, erhöhte Harnsäure und Schwermetalle wie Blei. Diese Aufzählung der Ursachen zeigt wiederum den Zusammenhang zwischen Arteriosklerose und Störungen anderer Organsysteme.
Arteriosklerose betrifft einerseits die großen Gefäße (Makroangiopathie). Sie kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall, peripherer arterieller Verschlusserkrankung (pAVK), Aortenaneurysma, und Nierenarterienstenose führen.
Von großer Bedeutung ist auch die Störung der Mikrodurchblutung. Mikroangiopathie ist auch über die oben genannten Risikofaktoren erklärbar. Zusätzlich spielen lokale Faktoren wie Kompression, Entzündung mit Mikrothrombose und toxische Schädigung eine Rolle. Sie betrifft in besonderem Maße die Augen, Nieren, Nerven, das Gehirn und Herz. Mikroangiopathie kann man diagnostisch gut am Augenhintergrund (Netzhaut) erkennen.
Störungen der Lungenfunktion sind durch eine Vielzahl von Auslösern möglich. Zu den beeinflussbaren Faktoren zählen Rauchen, Feinstaubbelastung, Allergie/Histamin/ Mastzellaktivierung und Bewegungsmangel.

4. Das zentrale und periphere Nervensystem

Allgemeines
Aufgaben sind Steuerung-Koordination-Regulation-Sensorik-Kommunikation-Homöostase-Kontakt zur Umwelt.
Kommt es zu Störungen oder Schädigung von Strukturen oder Funktionen, kann sich dies auf alle übrigen Organsysteme auswirken
Von der Vielzahl neurologischer Erkrankungen sollten nach unserer Erfahrung die Folgenden über den MSE-Ansatz untersucht und behandelt werden:

  • Neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz und Parkinson (hier besteht allerdings das Problem der Früherkennung, das heißt, die Defekte sind zum Zeitpunkt der Diagnose häufig weit fortgeschritten und nicht mehr rückbildungsfähig)
  • Periphere und autonome Neuropathie (mögliche, eventuell unerkannte Ursachen sind Toxinbelastung, Entzündung durch Lipopolysaccharide (LPS), Störungen der Mikrozirkulation, Infektionen wie seronegative Borreliose, Bartonellose)
  • Multiple Sklerose (zum Schutz des Nervensystems ist hier eine medikamentöse Therapie häufig unverzichtbar)

Praktisch relevant sind auch Störungen der Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems. Sie führen zu einer verschlechterten Anpassung der Organfunktionen an wechselnde Anforderungen. Dies wirkt sich besonders im Verdauungstrakt und Herz-Kreislaufsystem aus. Erfassen kann man die Störung über die Messung der Herzfrequenzvariation (HRV).
Eine autonome Dysregulation ("Starre") erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, da sie zu einer Mehrbelastung von Herz und Gefäßen führt.

Eher zu wenig Beachtung finden Störungen der Kreislaufregulation wie das posturale orthostatische Tachycardiesyndrom (POTS), das im Stehen zu beschleunigtem Herzschlag ohne Blutdruckabfall führt oder die hypoadrenerge orthostatische Dysregulation mit Blutdruckabfall. Zu diesem Komplex gehört auch die neurokardiogene Synkope mit verlangsamtem Herzschlag und Kollapsneigung.
Die Diagnosestellung mit dem Kipptisch ist exakter möglich als mit dem einfach durchzuführenden Schellong-Test oder 10-Minuten-Stehtest.
Die POTS kann mit einer Regulationsstörung der Volumenverteilung von Körperflüssigkeiten und mit einer Dekonditionierung verbunden sein kann. Eine Abgrenzung zur Mastzellaktivierung ist erforderlich.

5. Hormonelles System/Stoffwechselsystem

Allgemeines
Hormonelle Störungen können eine Vielzahl von Symptomen und Beschwerden auslösen, die die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können.
Hormonelle Defizite können durch Alterung entstehen (Menopause der Frau und des Mannes). Sie führen zur Rückbildung von Strukturen (Involution), die je nach zeitlichem Verlauf nicht wieder rückgängig gemacht werden können.
Für eine Reihe hormoneller Störungen ist die (viszerale – Vermehrung von Eingeweidefett) Adipositas ein wesentlicher Auslöser.
Autoimmunstörungen können sich an mehreren drüsigen Organen manifestieren. So kann eine chronische Schilddrüsenentzündung vom Typ Hashimoto mit einer Autoimmunstörung der Nebenniere oder einer Zöliakie vergesellschaftet sein. Eine unserer Patientinnen, eine junge Frau, hat eine Hashimoto -Thyreoiditis, eine chronische Autoimmungastritis, einen leaky gut mit Mikroentzündung der Darmschleimhaut und eine schwere Mastzellaktivierung.
Die alleinige Messung des TSH-Wertes reicht in vielen Fällen nicht aus, um ausreichende Informationen über die Gewebespiegel der Schilddrüsenhormone zu erhalten. Begleitende Autoimmunphänomene bei Schilddrüsenentzündungen wie zum Beispiel eine Entzündung des Muskelgewebes können über gängige Labordiagnostik eventuell nicht nachgewiesen werden. Das Zusammenwirken von Autoimmunentzündung der Schilddrüse, chronischer (Virus-) Infektion und (Schwer-) Metallbelastung muss untersucht und behandelt werden.
Wie sich Regulationsstörungen bei wichtigen Hormonen auswirken können, zeigt das Beispiel des Insulins:

Es ist das wichtigste Hormon für Umwandlung und Weiterverarbeitung der 3 essenziellen Brennstoffe Zucker, Eiweiß und Fett, die wir mit der Nahrung zu uns nehmen. Es ist ein anaboles (aufbauendes) Hormon, hat Wirkungen im Gehirn (Steigerung der kognitiven Leistung, zentraler Sättigungsfaktor), blockiert den Fettabbau aus den Fettzellen und fördert die Fettspeicherung (damit Fett in den Fettzellen und nicht in den Organen abgelagert wird) und hat Auswirkungen auf den Tonus der Gefäße. Beim Insulinresistenzsyndrom kommt es durch reduzierte Signalwirkung an den Zielorganen und zunächst übersteigerte, später abgeschwächte Produktion von Insulin, zu einer Fülle von schädlichen Wirkungen (metabolisches Syndrom, chronische Entzündung, Förderung der Tumorentstehung, weitere Zunahme der Adipositas, Serotoninmangel, Appetitenthemmung, Schlafapnoe usw.)

Cortisol ist das wichtigste Aktivitäts- und Stresshormon. Es wird in der Nebenniere gebildet. Eine akute Freisetzung des Hormons macht wach und aufmerksam, ermöglicht Kampf oder Flucht und stellt die dafür notwendige Energie in Form von Brennstoffen bereit. Eine chronische (Über-) Beanspruchung kann zur Erschöpfung der Cortisolproduktion führen und stattdessen zu Aktivierung von Stresshormonen wie Adrenalin und Noradrenalin mit der Folge von Bluthochdruck und Belastung von Herz und Gefäßen.

6. Das muskuloskelettale System

Allgemeines
Die Muskelmasse ist das größte Stoffwechselorgan im menschlichen Organismus.

Bewegungsmangel führt zu verringertem Energieumsatz und verringerter Sauerstoffaufnahme. Wichtige Impulse für die Immunfunktion sind reduziert. Aktivierende Signale zum Gehirn fehlen. Mikro- und Makrodurchblutung nehmen ab. Die mitochondriale Funktion nimmt ab. Die Stresstoleranz und Funktion des vegetativen Nervensystems verschlechtern sich.

Die Bewegungsfähigkeit ist allerdings bei MSE häufig eingeschränkt.
Erkrankungen können neben mechanischer Abnutzung auch durch Entzündung zur Schädigung von Strukturen führen. Trauma (Sturz) und Immobilität führen zur teilweise irreversiblen Funktionseinschränkung von Knochen, Gelenken, Bändern und Sehnen. Übersäuerung im Zwischengewebe (Interstitium) durch Störung der Mikrozirkulation, der mitochondrialen Energieproduktion und Entgiftung mit Toxinansammlung wirkt störungsverstärkend.

2 besondere Störungsbilder sind bei MSE aus unserer Sicht zu beachten:
Die Instabilität des craniocervicalen Übergangsgelenks (Genickgelenk)
Sie ist häufig durch wiederholte Traumata (Schleudertrauma, Stürze, Prellungen), eventuell in Kombination mit vorbestehenden anatomischen Abweichungen bedingt. Sie führt durch Lockerung des haltenden Bandapparates über wiederkehrende Nerveneinklemmungen und -Reizungen zu erhöhtem Anfall von sogenanntem Nitrostress, der auf weitere Kopfnerven und den gesamten Organismus übergreifen kann.
Er führt zu einer weiteren mitochondrialen Funktionsverschlechterung.
Zur Diagnose ist am besten eine Funktionskernspintomographie in einem offenen System geeignet.
Zur Vertiefung dieses Themas kann ich die hochinteressanten Forschungsergebnisse von Dr. Kuklinski aus Rostock empfehlen.

Ein weiteres Thema sind Hypermobilitätssyndrome. Das bekannteste ist das Ehlers-Danlos-Syndrom (EDS). Hier kommt es durch eine angeborene Bindegewebsschwäche zu einer Überdehnbarkeit von Gelenken. Auch die Blutgefäße und die Haut sind leichter verletzbar. Da bei dieser Veranlagung häufig sportliche Betätigungen gewählt werden, die diese Überbeweglichkeit nutzen (Kunstturnen, Ballett, Eislauf), kann es zu einer Häufung kleinerer und größerer Traumata über die Lebenszeit kommen, die wiederum zu erhöhter Nitrostressbelastung und Entzündung führen. EDS ist eine seltene Erkrankung (1 von 5000 Geburten). Sie kann mit dem sogenannten Beighton-Score diagnostiziert werden. Bei EDS ist auch das Risiko für eine orthostatische Intoleranz erhöht.
Geringer ausgeprägte Formen der Hypermobilität, die nicht die Kriterien des EDS erfüllen ("hyper mobility spectrum disorders") müssen unserer Meinung nach ebenfalls beachtet werden. Sie erhöhen auch das Risiko der Instabilität des Genickgelenks.
Das gehäufte Auftreten von Mastzellaktivierung bei EDS kann unserer Meinung nach dadurch begründet sein, dass Mastzellen auch im Bindegewebe lokalisiert sind. Bei gehäuften Traumata und dadurch verursachten Störungen der Homöostase im Bindegewebe kann es zu einer lokalen und später systemisch um sich greifenden Aktivierung der Mastozyten kommen.

7. Das urogenitale System

Ist zuständig für Fortpflanzung, Hormonproduktion, Entgiftung und Regulation des Wasser-, Säure-Basen- und Elektrolythaushaltes.
Störungen der Fortpflanzungsfähigkeit können auf eine traumatische oder infektionsbedingte Schädigung von Strukturen wie Hoden, Eileiter oder Gebärmutterhals zurückzuführen sein. Sie können durch Umweltschadstoffe bedingt sein (z.B. hormonaktive Stoffe wie Bisphenol A, sogenannte endokrine Disruptoren, Schwermetalle, Pestizide usw.). Adipositas kann ebenfalls durch hormonelle Störungen oder eine chronische Inflammation zu reduzierter Fruchtbarkeit beitragen. Auch mechanische Faktoren wie erhöhter Druck auf innere Organe und Beckenboden durch die Fettmasse spielen eine Rolle.
Chronische Infektionen können das Tumorrisiko erhöhen (HPV) oder erhebliche Beschwerden verursachen (Herpes simplex Virus 1 und 2).
Die Unterbauchorgane können bei Störungen des Mikrobioms und reduzierter Immunfunktion der Schleimhäute zu Pilzinfektionen neigen. Gehäufte Harnwegsinfektionen sind mit leaky gut und Dysbiose assoziiert. Eine chronische Prostatitis ist ein eventuell über lange Zeit unerkannter Entzündungsherd und erhöht das Tumorrisiko. Chronische Entzündungen der ableitenden Harnwege können zu einer Schädigung der Nieren und in der Folge zu einer Störung der Entgiftung führen. Auf dieser Basis können Folgeerkrankungen wie renaler Bluthochdruck und Störungen des Vitamin D-, Calcium- und Knochenstoffwechsels führen.
Harnsteinbildung kann durch Stoffwechselstörungen wie Gicht verursacht werden. Adipositas und inadäquate Ernährung potenzieren das genetisch bedingte Risiko. Das Mikrobiom beeinflusst den Abbau der Oxalsäure, eines weiteren Faktors der Harnsteinbildung.

Die Haut
Ist unsere äußere Hülle und an der Regulation des Wärmehaushaltes und der Homöostase beteiligt. Auch Lichtschutz und Vitamin D-Bildung werden von der Haut geregelt.
Sie ist neben Leber/ Gallenblase, Darm und Niere durch die Schweißdrüsen an der Entgiftung beteiligt.
An der Haut manifestieren sich viele Symptome, die mit Störungen anderer Organsysteme wie Darm oder Immunsystem zusammenhängen

Diagnostik
Aus unserer Sicht ist eine umfassende labordiagnostische Abklärung wichtig.
Sie sollte folgende Bereiche abdecken:

  • Marker der Mitochondrien-Funktion
  • Chronische Infektionen (Bakterien, speziell Borrelien, Viren, Parasiten, nach Möglichkeit mit LTT)
  • Immunfunktion
  • Entzündungsmarker
  • Organwerte
  • Leaky gut
  • Test auf SIBO (bakterielle Überwucherung des Dünndarms), ggf. Differenzierung des Darm-Mikrobioms
  • Histaminintoleranz/Mastzellaktivierung
  • Nahrungsunverträglichkeiten (einschließlich Laktose-, Fruchtzuckerunverträglichkeit)
  • Autoimmunität (Autoantikörper)
  • Wichtigste Nährstoffe
  • Hormonstatus
  • Überprüfung der HPA (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren) – Achse (Cortisol-Tagesprofil)
  • Oxidativer und nitrosativer Stress
  • Toxische Metalle, ggf. weitere toxische Umweltstoffe (endokrine Disruptoren, Pestizide usw.)
  • Ggf. Gentests

Die Labordiagnostik ist in vielen Fällen eine Momentaufnahme. Bei Mastzellaktivierung können zum Beispiel verschiedene Tests nur kurzfristig pathologisch ausfallen, bei Borreliose gibt es inaktive Phasen, in denen der LTT negativ ist, obwohl eine Infektion vorliegt usw. Dennoch ist eine umfassende Labordiagnostik eine wichtige Hilfe, um zum Beispiel die Entscheidung für potentiell nebenwirkungsträchtige Behandlungen zu unterstützen. In jedem Fall sind Anamnese und klinisches Bild zentrale Standbeine der Diagnosefindung.
Weitere Diagnostik muss je nach Bedarf erfolgen (HRV, Gefäßstatus, zahnärztliche Abklärung, Sonographie, Gynäkologie, Neurologie, Kardiologie, Angiologie, Orthopädie, Endokrinologie, Rheumatologie, Hämostaseologie, Hämatologie, Radiologie, Urologie, Pulmologie, HNO-Heilkunde, Psychologie, usw.).
Auch eine baubiologische Wohnraumuntersuchung muss erwogen werden.

Therapie
Sie baut auf den Ergebnissen der Ursachensuche auf und wird individuell in Form eines Behandlungsplans erstellt.
Elemente sind:

  • Verbesserung der mitochondrialen Funktion
  • Zufuhr von Nährstoffen auf der Basis des labormedizinisch nachgewiesenen Bedarfs
  • "Darmaufbau"
  • Optimierung der Ernährung (schadstofffrei, vitalstoffreich, individuell verträglich, entzündungshemmend, das Körperfett normalisierend)
  • Entzündungshemmung, Mastzellstabilisierung
  • Herdsanierung
  • Abbau von schädlichen Umwelteinflüssen
  • Förderung der Entgiftung, Schwermetallausleitung
  • Bekämpfung aktiver Infektionen, nach Möglichkeit ohne Darm und Immunsystem weiter zu schädigen
  • Reduktion von oxidativem und nitrosativem Stress
  • Stressabbau, Schlafförderung
  • Förderung individuell angepassten Bewegungsverhaltens
  • Körperorientierte Verfahren (Osteopathie, Physiotherapie, Ergotherapie)
  • Psychoedukation / psychosomatische Grundversorgung / Psychotherapie

Zusammenfassend bieten die oben skizzierten Erkenntnisse und Maßnahmen die Möglichkeit, auch schwere chronifizierte Krankheitsverläufe zu bessern oder sogar zu heilen.
Die Störungen können die einzelnen Organsysteme in unterschiedlicher Ausprägung und Gewichtung betreffen. Entsprechend vielfältig kann die Symptomatik aussehen.
Wichtig ist die ganzheitliche Sicht.
Aufbauend auf der möglicherweise in der Vergangenheit durchgeführten Diagnostik und Therapie ist aus unserer Sicht eine möglichst zeitnahe Abklärung der Lücken im Gesamtbild erforderlich, um zu einer Gewichtung und Therapieempfehlung zu kommen.
Wenn nach sorgfältiger und umfassender Abklärung eine darauf aufbauende Therapie nicht zur Verbesserung des Gesundheitszustandes führt, ist die große Herausforderung herauszufinden, was man übersehen hat.
Voraussetzungen für einen Therapieerfolg sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit von PatientIn und TherapeutIn und Geduld.
Abschließend betonen wir auch bei diesem Text, dass eine wissenschaftliche Vollständigkeit oder Übereinstimmung mit den Kriterien der sogenannten Evidenz-basierten Medizin nicht gegeben ist.
Es handelt sich um eine Meinungsäußerung auf der Basis langjähriger Erfahrungen in der praktischen Medizin.



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